Montag, 31. August 2015

Mogelpackung: In Meuchelbeck ist kein Niederrhein drin.....

Wenn man dumm am Niederrhein in der Gegend rumsteht und die Landschaft betrachtet, gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, das neben einem ein Radfahrer anhält, der sofort seine Hilfe anbietet. Ob man die jetzt braucht oder nicht. Es wird einem erzählt wie man zu Punkt x kommt, das man Punkt y unbedingt ansehen müsste, bei XY das beste Essen serviert wird und das die Tochter gerade einen gesunden Sohn entbunden hat. Ach ja, woher stammt man eigentlich? Aus Düsseldorf? Ist da die Anreise nicht etwas weit? Und der Verkehr dort in der Stadt! Bah, da möchte man aber nicht leben.
Manchmal ist der Niederheiner sehr anstrengend in seiner leutseligen Art. Menschen die Anonymität suchen, Einsiedler werden möchten, haben es hier sehr schwer. 

"Überall ist Niederrhein", sagte einst Hanns-Dieter Hüsch. Leider hatte er komplett Unrecht. In Meuchelbeck, der neuen WDR-Serie über den Niederrhein, ist überhaupt kein Niederrhein zu finden. Treffend beschrieben hat das vor mir bereits die Rheinische Post. Viele Dinge wurden in dem Artikel moniert. Die fehlenden Pappeln (Kopfweiden gibt es auch nicht), abwesende Radfahrer (und Niederländer), dazu Drehorte wie Dormagen. 

Die gezeigten Orte und auch Gebäude trotzen vor Trostlosigkeit. Würde ich da leben, würde ich mich wahrscheinlich umbringen. Die Drehorte sind grau in grau und deprimierend. Dabei gehört Wachtendonk und die Umgebung zu den schönsten am Niederrhein. Jeder der nach dieser Serie sich hier umschaut und Trostlosigkeit erwartet wird bitter enttäuscht sein.

Was mich aber wirklich auf die Palme bringt, wie man die Menschen aus unserer Region zeichnet.
Die Menschen werden in der Serie als verschlossen, besonders gegenüber Fremden gezeigt. Wenn etwas der Niederheiner, schließlich eine Mischung aus Rheinländer + Niederländer, nicht ist, dann verschlossen. Statt angeschwiegen zu werden, wird man hier eher zu Tode bequatscht. Dazu kommt noch eine unglaubliche Neugierde, die der hiesigen Bevölkerung eigen ist. Übrigens: Der Radfahrer in meinem Eingangsbeispiel könnte auch ich sein! 

Aber das paßt wohl nicht so ganz ins Klischee, das man von Landmenschen so hat.Landmenschen sind halt gegenüber Fremden verschlossen, wortkarg. Das weiß doch jeder Städter Kind. Also wird dieses Klischee tot getrampelt. Und natürlich braucht man einen sympatischen Großstädter der den dummen Dörflern zeigt, wo es lang geht. Schließlich müssen die ganzen Städter die diese Serie schauen, doch eine Art Überlegenheitsgefühl bekommen. Und das geht gar nicht, wenn man auch nur etwas Sympathisches zeigt. Oder das wir hier auf dem Land schon Stromanschlüsse und fließend Wasser haben.... Ich habe sogar munkeln gehört, das manche hier vor Ort bereits Internet haben....

Gewünscht hätte ich mir eine Serie wie Hüsch seine Satiren schrieb oder wenigstens wie "Mord mit Aussicht" die Eifel porträtiert. Seitenhiebe ja! Ironie gerne! Aber bitte mit Ehrlichkeit und ein bisschen Liebe zum Land und zu den Leuten. Verdient hätten wir es!



Die Niers bei Wachtendonk

Montag, 11. Mai 2015

Neulich auf dem Land und in der Stadt

Neulich in einer Großstadt irgendwo in Deutschland:

Ich muss auf die Toilette in einem Einkaufscenter. Dort stehen schon drei Frauen. Allerdings ist es nicht erkennbar, ob die nur rumstehen, weil sie auf jemanden warten oder anstehen. Ich bin ein höflicher Mensch. Also frag ich nach. "Entschuldigen sie bitte, stehen sie hier an oder warten sie nur?"

Keine Antwort. Nochmal gefragt. Alle kucken in eine andere Richtung. Bloß nicht mir ins Gesicht. Antwort gibt es keine.


Neulich im Dorf, irgendwo in Deutschland. O.K. nicht irgendwo in Deutschland. Sondern an der Deutsch-Niederländischen Grenze am Niederrhein.

Sitze mit Ehepartner im Biergarten. Diskutieren, welche Route zurück mit dem Rad die Beste und Schönste wäre.
Plötzlich mischten sich die Herrschaften am Nebentisch ein: "Da können wir Ihnen nur empfehlen über x zurück zu fahren...."
"Wie ist da der Verkehr?"
"Ganz ruhig...."

Und so plauderten wir noch eine Weile zusammen.

Freitag, 1. Mai 2015

Klappertüt

Mein Blick schweifte über den frühmorgendlichen Garten. Der Frost tauchte die Tanne vor meinem Haus in einem glitzernden Kleid. Es funkelte wie tausend Diamanten, als die gerade aufgehende Sonne auf dieses Bild fiel. Jede einzelne Spinnwebe auf den Sträuchern war mit Rauhreif überzogen, der Wald hinter meinem Haus glänzte majestätisch wie eine eisige Prinzessin. Mein Atem kam in weißen Wölkchen aus meinen Mund hinaus. Böse funkelte ich diese Wintertraumlandschaft vor meiner Haustüre an. Als wenn ich sie nur durch meinen Willen zum schmelzen bringen konnte. Ich hasste diesen Anblick. Aus tiefstem Herzen. Meine Hände klammerten sich am Türgriff meines Hauses fest. Ich wollte einfach nicht loslassen. Wollte nicht nach draußen und die schützende Wärme meines Heims verlassen. Es war einfach zu kalt für diese Jahreszeit am Niederrhein. Das war ich nicht gewöhnt. Regen, Regen und manchmal auch Nebel, dass war mein Winterwetter. Nicht dieser Kitsch aus Schnee und Eis. Mein Innerstes rebellierte dagegen. Außerdem dröhnte an diesem Morgen auch noch mein Kopf, als wenn jemand mit einem Holzhammer auf ihn drauf schlagen würde. Sehnsuchtsvoll sah ich durch die Fensterscheibe in mein Haus hinein. Der Kaminofen flackerte lustig vor sich hin. Dort saß mein Mann mit unserem Hund auf der Couch, eine Tasse Kakao in der Hand und die Zeitung auf dem Schoß. Ihn hasste ich auch. Wenn ich leide sollte er auch leiden. Wozu war ich denn verheiratet? Und warum zum Teufel hatte ich nur zugesagt, an dem heutigen Treffen der katholischen Landfrauen teilzunehmen? Aber was sollte ich schon an einem Samstagvormittag großartig machen? Vielleicht im Bett liegen und lesen? Mann und Hund von der Couch schmeißen und meine Füße am Kamin wärmen? Bei ebay nach den lang gesuchten Porzellanschafen fahnden? Und damit die dreistündige Schwafelei unseres Vereins verpassen, wo es um so wichtige Dinge ging wie die Organisation eines Hausfrauennachmittags zu Karneval? Der garantiert das gleiche Programm aufweisen würde, wie im letzten Jahr. Und dem Jahr zuvor. Um Himmels Willen, das ging ja wirklich nicht.     weiterlesen:

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Fröhliche Weihnachten!!

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Wünsche ich Euch allen! Nocheinmal Dank an Kerstin....

Montag, 1. Dezember 2014

Meine erste Erinnerung an Viersen....

Meine erste Erinnerung wird wohl aus Mitte der 70er Jahre stammen, als ich drei bis vier Jahre alt war. Aufgewachsen bin ich in Anrath auf einem kleinen Bauernhof und es war bei uns nicht üblich, regelmäßig nach Viersen zu fahren. Dazu fehlte einfach die Zeit.

Trotzdem erinnere ich mich an einige Sonntagsspaziergänge in den Süchtelner Höhen mit der ganzen Familie. Details habe ich natürlich nicht mehr im Kopf. Nur eine Sache: Unsere Route führte immer durch das Wildschweingehege. Ob die Tiere nicht doch hinter Zäunen untergebracht waren oder das Gehege frei zugänglich war weiß ich leider nicht mehr. In meiner verschwommen Erinnerung gehe ich durch ein tiefes Tal und bin davon überzeugt, dass an jeder Ecke ein wilder Wutz lauert. Gewarnt wurde ich von meiner Mutter, die einen berechtigten Respekt vor diesen Tieren hatte. Das Tal wirkte dadurch noch bedrohlicher und dunkler. Trotz allem: Ich genoss meine Furcht, versprach doch jeder Spaziergang ein richtiges Abenteuer mit wilden Bestien werden zu können. Außerdem konnte mir nichts passieren. Mein Onkel versicherte mir, mich beim ersten Anzeichen eines Wildtieres auf einen Baum zu heben. Da wäre ich in Sicherheit. Auf meinem Onkel war Verlass! Zu meiner Enttäuschung bekamen wir nie ein Wildschwein zu Gesicht. Vielleicht waren die Tiere wirklich eingezäunt? Ich kann es ehrlich nicht mehr sagen. Trotzdem hat das Wildgehege in Süchteln einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen.







Dienstag, 11. November 2014

Rezept: Püfferkes

Die gab es  bei uns zuhause immer zu St. Martin. Dabei kennt man zwei Arten von Püfferkes:
Die mit Hefeteig (wie Krapfen)

und die mit Quark.



Da ich eine langjährige Feindschaft mit Hefeteig hege, gibt es hier das Quarkrezept.

Teig:
100 gr Zucker
125 gr Quark
2 Eier
200 gr Mehl
Backpulver
4 Eß. Milch
Rosinen, so viel man mag


Die Zutaten mit dem Mixer zu einem zählflüssigen Teig vermatschen.



Viel Butter in einer Pfanne erhitzen und den Teig ausbacken.



Vorsicht: Wird schnell schwarz. Nicht zu heiß machen. (braucht auch etwas länger um gar zu werden)



Montag, 10. November 2014

25 Jahre Mauerfall: Weil ich es kann.....

Diese Chronik habe ich vor einigen Jahren geschrieben für eine (ehemalige) Freundin. Eine Geschichte meiner Jugend, die voller Vorurteile war. Die Chronik erschien bereits in einem Literaturmagazin. Ich dachte, zum Jubliäum könnte ich sie noch einmal hier veröffentlichen...

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1972 ich werde im Juni diesen Jahres irgendwo in Westdeutschland geboren.

1975 ohne mein Sandmännchen gehe ich nicht ins Bett. Nur echt mit Vollbart.

1979 erster Kontakt mit denen von „Drüben“. Freunde meiner Eltern haben Verwandte „drüben.“ Seltsame Menschen. Scheinen ganz arm zu sein. Freunde meiner Eltern müssen jedes Weihnachten ein Paket rüber schicken. Mit Kaffee. Wo der hier doch so teuer ist. Die von „Drüben“ denken wir wären reich. Dabei ist der Freund meiner Eltern nur ein einfacher Beamter, seine Frau sogar Hausfrau. Der Freund zeigt Dias vom letzten Besuch „drüben“. Alles wirkt trostlos, verfallen. Die Häuser sind marode. „Drüben“ scheint ein anderer Planet zu sein.

1986 Schulunterricht. Hauptschule. Wirtschaftslehre. Vergleich von sozialer Marktwirtschaft und Planwirtschaft. Planwirtschaft bedeutete von allem zu wenig zu haben. Planwirtschaft bedeutet, dass die Leute keine Motivation zum Arbeiten bekommen. Planwirtschaft bedeutet Armut und Elend.

Schulfreundin raunt mir im Unterricht zu, wie sehr sie wegen ihrer Verwandten aus der DDR schämt. Die sind ätzend, tragen nur Klamotten, die mal vor zehn Jahren IN waren. Sie mag nicht mit DENEN gesehen werden.

Zur gleichen Zeit: Durchnahme von George Orwells „Farm der Tiere“ im Deutschunterricht. Pflicht in jeder guten westdeutschen Schule. Zweibeiner= schlecht, Vierbeiner= gut. Muuuhhh.


1987 Bewerbe mich bei der Stadt um eine Lehrstelle. Lerne dabei zum ersten Mal etwas über den Radikalenerlaß. Seltsame Sache, dass man in der freien BRD wegen seiner Meinung ein Berufsverbot erhalten kann. Wundere mich.

1989 Veränderungen bahnen sich an. Skepsis. Ob das so gut ist? Sollten die von „Drüben“ nicht besser dort bleiben? Stammtischgezeter überall. Wohne im westlichsten Teil Deutschlands. Zwei Schritte nach Westen und ich stehe in Holland. Das macht sich bemerkbar.

1991 Bester Freund erzählt, dass er bei einem Besuch seiner Verwandten in der DD.., upps, es heißt ja jetzt „Neue Bundesländer“, eine junge Frau kennengelernt hat. Wir runzeln die Stirn. Tuscheln hinter seinem Rücken. Mädel läuft bestimmt in langen Röcken mit Gummistiefeln und schlecht gefärbten Haaren rum.

1991 Freund K. eröffnet uns, dass seine Freundin rüber kommen will. Will die nur hier hin, weil sie denkt, er hat Geld? Dabei ist er armer Student. Vielleicht dreht sie ihm sogar ein Kind an. Die wird sich aber wundern!

1992 K. stellt uns seine neue Freundin D. vor. Keine drei Tage ist sie hier, hat sie schon einen Job als Lebensmittelverkäuferin. Nen Job, den keiner hier so richtig machen will. Hört gute Musik.

1993 Erfahre mehr über D. Viele ihrer Probleme als Jugendliche kommen mir ziemlich bekannt vor. D. war Revoluzzer, sie hatte eine amerikanische Fahne über dem Bett hängen. Ich war auch ein Revoluzzer und las Karl Marx.


1993 Immer mehr „Ossis“ arbeiten in meiner Firma. Nette Leute. Haben Humor. Mit denen geht man abends gerne mal ein Bierchen trinken.

1995 D. ist Trauzeuge bei meiner Hochzeit.

1996 Ich bin Trauzeugin bei ihrer Hochzeit.

2004 Erster Besuch in Berlin. Gehe durchs Brandenburger Tor. Weil ich es kann. Fühle mich gut.

2005 Besuch des Brandenburger Tors mit D.? Gehen vielleicht zusammen durch. Weil wir es können.